Wieso Airlines kein Bargeld haben….

Wer dieser Tage bei einer Airline seine Flüge annulliert, erwartet eine Rückerstattung des vor Wochen oder Monaten bezahlten Ticketbetrags. Meist erhält man aber keine Antwort, oder lediglich einen Gutschein.

Warum das so ist, zeigt diese Grafik aus “Bloomberg” deutlich – es fehlt den Airlines an Cash! Das für die Flüge in die Frühlings- oder Sommerferien bezahlte Geld, wurde weit vor dem Boarding, für den laufenden Betrieb verwendet. Im Fall der Lufthansa besteht die vorhandene Liquidität offenbar zu mehr als 70% aus Kunden-Vorauszahlungen….!!!

 

tug of war

Daher haben viele Airlines Rückerstattungen an Privatkunden, aber auch Reisebüros und Reiseveranstalter eingestellt. Die Reisebüros wiederum sitzen im Sandwich, sind (je nach Konstellation) für die Rückerstattungen an ihre Kunden haftbar und müssen jetzt befürchten, wegen der Praxis der Airlines in Konkurs zu geraten. Zwar fordern die Reisebüro-Verbände seit langem eine Kundengeld-Absicherung, nur wurde diese Forderung von den Airlines seit Jahren vom Tisch gewischt…und es wurden munter weiter Kundengelder als Betriebskapital missbraucht.

Wir kennen das Spiel von den Banken vor/während der Finanzkrise. Es werden Risiken eingegangen, da man als Management davon ausgeht, im Krisenfall sowieso vom Staat gerettet zu werden –> too big to fail – oder systemrelevant, wie das auf gut deutsch heisst.

Dies ist mit Sicherheit auch bei den Netzwerk-Airlines wie Swiss/Lufthansa der Fall. Gerade in der Schweiz haben wir schon einmal erlebt, was eine Airline-Pleite an Folgeschäden verursacht – das will man nicht nochmal erleben und die Politik ist dementsprechend gefügig.

Die ehemaligen Staats-Airlines, wie Swiss/Lufthansa/Austrian, British/Iberia oder AirFrance/KLM und SAS gehören vom Staat* gerettet und sollen auch in Privatbesitz bleiben. Gleichzeitig soll der Gesetzgeber nun aber mit harten Auflagen an das Eigenkapital von Airlines dafür Sorgen, dass sich diese in Zukunft nicht auf Kosten von Kunden-Vorauszahlungen finanzieren dürfen. Kundengelder gehören über eine Fondslösung oder eine Insolvenz-Versicherung abgesichert, wie das Reiseveranstalter seit mehr als zwei Jahrzehnten von Gesetzes wegen tun müssen.

*tbd: welcher Staat im Falle der LH

 

Airlines, wir müssen reden!

Zugegeben, das Airline-Business ist ein äusserst schwieriges und hochkomplexes Geschäft. Da muss auch in normalen Zeiten ganz viel zusammenpassen, damit eine Fluggesellschaft gut funktioniert und Gewinn abwirft.  Obschon privatwirtschaftlich organisiert, erfüllen Airlines eine wichtige öffentliche Funktion, denn sie stellen die für Wirtschaft, Tourismus und Logistik nötigen Verkehrsanbindungen her, mit der unsere heutige Welt funktioniert. Dies wird einem jetzt in der Corona-Krise ganz besonders bewusst, wo das ganze System zum Stillstand kommt und praktisch alle Flugzeuge am Boden stehen.

Es ist für mich deshalb dringend notwendig, dass die verschiedenen Staaten den Airlines und auch den anderen Stakeholdern im arg gebeutelten Luftfahrt-Ökosystem (Abfertiger, Wartungsbetrieben, Luftfracht-Betreibern, Flughäfen, etc) zeitnah unter die Arme greifen, um deren Überleben zu sichern.

Wenn dies aber die öffentliche Hand mit dem Geld von uns allen Steuerzahlern tut, so gilt es jetzt aber einige Fehlentwicklungen der letzten Jahre anzusprechen und zu beseitigen:

 
Gutscheine anstatt Bargeld
Momentan sind die Zeiten für alle hart, insbesondere für Airlines. Die Liquidität ist nach dem Nachfrage-Kollaps eng – das versteht jeder. Auch dass viele Airlines die letzten Wochen mit dem Ansturm an Anfragen nicht zurecht gekommen sind, ist völlig verständlich.

Es gilt aber ganz klar festzuhalten, dass jeder Kunde Anspruch auf die Rückerstattung der bereits einbezahlten und nicht angetretenen Flüge hat.

Leider aber sind nun viele Airlines dazu übergegangen, anstelle von Rückerstattungen Gutscheine mit einer Vielzahl von komplizierten Regeln und limitierten Laufzeiten zu versprechen, was rechtlich so nicht haltbar ist.

Liebe Airline, wenn Du den Passagieren anstelle von Bargeld einen Gutschein schmackhaft machen willst, dann sollte dies ein mindestens 5 Jahre gültiger Bar-Gutschein sein, der an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Und wenn Du Deine Passagiere (deren Geld du schon monatelang hortest) animieren willst, anstatt Bargeld, einen Guschein zu akzeptieren, dann solltest Du noch etwas drauflegen, wie eine Gratis-Sitzplatzsreservation, Gutscheine für Gepäck, oder mehr Warenwert.

Kundengeld-Absicherung
In der Luftfahrt gilt die Logik der Vorauszahlung, dh. wenn ich jetzt einen Flug für Oktober buche, so kassiert die Airline das Geld sofort, liefert ihre Leistung aber erst mehrere Monate später. Geht eine Airline in Insolvenz, so ist dieses Geld für den Kunden meist verloren, wie dies bei Air Berlin, Germania, Sky Work, Flybe und ganz vielen Airlines die letzten Jahre der Fall war. Für Reiseveranstalter gibt es europaweit seit mehr als 20 Jahren die Pflicht der Kundengeldabsicherung: Wer eine Pauschalreise bucht, kriegt sein Geld also auch im Fall einer Insolvenz des Reiseveranstalters zurück und wird aus dem Ausland repatriiert, sollte er im Zielland stranden.

Seit 10+ Jahren versuchen die Reisebüro-Verbände eine ähnliche Pflicht zur Kundengeldabsicherung auch bei den Airlines einzuführen, sind aber mit mehreren Vorstössen immer wieder gescheitert. Der Grundtenor der Airlines blieb dabei immer derselbe: Man sei solide finanziert, eine solche Absicherung sei unnötig und verteuere die Ticketpreise.

Wie solvent die Airlines wirklich sind, sieht man jetzt, wo sie sich weigern, einbezahlte Kundengelder sofort zu erstatten. Ganz offensichtlich lebt man ja doch von Kundenkrediten!!?

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Eine Kundengeldabsicherung für Flugtickets muss jetzt sofort eingeführt werden!

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Einseitigkeit von Passagier/Airline-Verträgen
Wer kennt es nicht: wenn man als Passagier ein Flugticket annullieren oder ändern will, ist das im Normalfall praktisch unmöglich. Gekauft (und bezahlt!) ist gekauft und wer etwas anderes möchte, muss ein neues Ticket kaufen- so die Grundhaltung der Airline. Ganz anders sieht die Situation aber aus, wenn die Airline Flüge streicht, Flugzeiten ändert oder Routen sogar ganz streicht. Ändert die Airline ihr Teil des Vetrags, gelten plötzlich ganz andere Regeln und oft wird einem sogar der Vertragsrücktritt verweigert oder die Rückerstattung erst nach langwierigen und mühsamen Prozessen gewährt. Kommt dazu, dass viele Airlines nur in ihrem Herkunftsland einklagbar sind, was die Sache für einen Konsumenten deutlich schwieriger macht, an das bereits bezahlte Geld zu kommen.

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Airline/Passagier-Verträge müssen fairer werden. Es kann nicht sein, dass man Euch Anwälte oder das Gericht auf den Hals hetzen muss, um die Einhaltung Eurer schon sehr asymetrischen Verträge einzufordern.
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Behandlung Reisebüro-Vertriebspartner
Weltweit greift ihr Airlines auf Zehntausende von IATA-Travelagents zurück, die Eure Flugtickets verkaufen und ganz nebenbei auch noch kostenlos die Beratung für komplexere Buchungen übernehmen. Leider aber, sind auch die für die Zusammenarbeit mit den Reisebüros zugrunde liegenden IATA-Regulations und das Abrechnungssystem via BSP, an Einseitigkeit nicht zu überbieten. So können Airlines jederzeit kleinste Verstösse gegen die IATA-Rules mit Bussen (ADM) belegen und direkt auf dem Konto der Reisebüros belasten. Oder eine Rückerstattungs-Funktion wird jetzt im Krisenfall einseitig suspendiert – das Reisebüro ist den Airlines weitestgehend ausgeliefert.

Gleichzeitig werden Kostenoptimierungs-Massnahmen der Airline, wie Umbuchungen, Routen-Streichungen oder Flugplanänderungen laufend auf dem Rücken der Vertriebspartner ausgetragen. Die Airline hat die Kosteneinsparung, das Reisebüro die unbezahlte Arbeit.

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IATA-Rules und BSP sollen in Zukunft durch ein gemeinsames Gremium Airline/Vertrieb gelenkt werden. Einseitige Systemänderungen sollen unmöglich gemacht werden. Vertriebspartner sollen zukünftig für Umbuchungsaufwände entschädigt werden.
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Abschliessend möchte ich noch einmal betonen, dass die Luftfahrt sehr wichtig ist und in dieser Krise gerettet werden muss. Gleichzeitig ist jetzt aber auch der Moment gekommen, wo sich Airlines gegenüber Passagieren und Vertriebspartnern fair verhalten und ihre bisherige Arroganz gründlich überdenken sollten. Wenn die öffentliche Hand jetzt hilft, muss sie gewisse Dinge aus dem obigen Katalog auch politisch einfordern.

Corona-Krise: Der Bundesrat diskriminiert KMU-Unternehmer!

Als der Bundesrat letzten Freitag das Wirtschaftspaket zur Bewältigung der Corona-Krise kommunizierte, war ich sehr positiv überrascht. Der Anspruch auf Kurzarbeit wurde erweitert, es wurden unkomplizierte Liquiditäts-Kredite bis zu 10% des Umsatzes versprochen und auch selbständig Erwerbende werden über die EO vergütet.
Ganz nach dem Motto “Brot & Spiele” wurden auch zwei Sondertöpfe für Künstler (CHF 280Mio) und Sportvereine (CHF 100Mio) geschaffen. Mehr oder weniger können somit viele Schweizer mit mindestens 80% vom letzten Lohn rechnen, super! (Details hier)

So weit so gut, könnte man meinen. Wenn man jedoch die neuen Regeln etwas genauer anschaut, wird klar, dass eine Kategorie von Corona-Geschädigten sehr stiefmütterlich behandelt, ja gar diskriminiert wird: die KMU-Unternehmer

Dabei geht es um folgende Konstellation:
Hat ein KMU-Unternehmer zwecks Haftungsrisiken eine Kapitalgesellschaft (AG oder GmbH) gegründet, bei der er sich und seine Mitarbeiter angestellt hat, zahlt auch der Inhaber (Aktionär) ganz normal seine Sozialabgaben auf dem Bruttolohn, inkl. AHV und ALV – dies oft über mehrere Jahrzehnte. Gerät ein Unternehmen jedoch in Schieflage, und muss entweder Kurzarbeit anmelden oder der Unternehmer wird sogar arbeitslos, hat der “Mitarbeiter in arbeitgeberähnlicher Stellung” keinerlei Anspruch auf Leistungen. Dies ist ein schon langer bestehender Misstand, den ich schon vor 3 Jahren aus der Optik Startup im Detail ausgeführt habe.

Jetzt in der Corona-Krise hat der Bundesrat offenbar die Not der KMU’s erkannt und die Kurzarbeits-Entschädigung per Notrecht und temporär befristet auch für diese “Mitarbeiter in arbeitgeberähnlicher Stellung” geöffnet. Allerdings begrenzt er den maximal anspruchsberechtigten Lohn auf CHF 3320.–/Monat, dh. im Endeffekt 80% davon, das ergibt einen Mini-Betrag von CHF 2656.–/Monat… und dies auch nur, sofern der Unternehmer wirklich zu 100% auf Kurzarbeit ist, also absolut gar nicht arbeitet, was nicht nur unrealistisch ist, sondern auch schwer zu beweisen. Details im Bericht der Handelszeitung.

In meinem Umfeld betrifft das ganz viele Klein- und Kleinstunternehmer, die von dieser Regelung stark betroffen sind. Dazu gehören:

– Reisebüros
– Werbeagenturen
– Malerbetriebe
– Schreiner
– Startups
– Gastro-Unternehmer
– Hunde-Spazierdienste
– Grafiker
– Consultants mit AG
– uvm!

Viele dieser Kleinunternehmer haben die letzten Jahrzehnte in die Arbeitslosen-Versicherung einbezahlt und erhalten jetzt einen Mini-Betrag von CHF 2656.–. Gleichzeitig müssen sie jetzt ihren Betrieb neu ausrichten und durch die Krise bringen. Die meisten KMU-Unternehmer die ich kenne, werden auch alles tun, um keine Leute entlassen zu müssen.

Dies betrifft rund 150’000 KMU-Kapitalgesellschaften in der Schweiz und deren Chefs, wovon wohl ein beträchtlicher Teil von der Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht sein dürfte.

Ich fordere deshalb vom Bundesrat, dass er dieses Lohn-Maximum von CHF 3320.- (ausbezahlt CHF 2656.–) für die Kurzarbeit per sofort aufhebt und die “Mitarbeiter in arbeitgeberähnlicher Stellung” in der Corona-Krise genau gleich behandelt, wie alle anderen Lohnempfänger/Beitragszahler.

Wie die Reaktionen auf meinen letzten Beitrag zu diesem Thema zeigten, wird es wohl ein paar Gegenargumente zu meine Forderung geben. Ich gehe daher schon präventiv auf diese ein… 😉

“Das ist halt das Unternehmer-Risiko”
Ja, das Unternehmer-Risiko gibt es und das ist auch richtig so. Allerdings zahlen diese Unternehmer auch jahrelang über ihre Lohnbeiträge in die ALV ein und kriegen im Regelfall genau gar nichts. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit, die korrigiert werden muss. Jetzt im Krisenfall gibts maximal CHF 2656.–, was schlicht diskriminierend ist.

“Unternehmer haben viel höhere Löhne und verdienen keine Unterstützung”
Die KMU-Unternehmer, die ich kenne, zahlen sich in der Regel sehr moderate Löhne aus, insbesondere im Bereich Gastro/Tourismus und Handwerk. Ist der Lohn etwas höher, so zahlt man auch auf dem den vollen ALV-Beitrag – die Vergütung ist gegen oben dann sowieso auf CHF 148’200.– (davon 80%) plafoniert.

“Das Missbrauchspotential ist sehr gross”
Vorallem von Behördenseite höre ich dieses Argument sehr oft. Dahinter steckt die Angst, dass sich Unternehmer ihre auftragsbedingten Schwankungen über die ALV (Arbeitslosengeld/Kurzarbeit) kompensieren lassen. Ich bin überzeugt, dass es da sehr wirksame Instrumente dagegeben gibt, wenn man denn nun will. Und jetzt in der Corona-Krise sollte man nicht darüber diskutieren müssen, ob ein Gastro-Unternehmer, der sein Restaurant behördlich schliessen musste, wohl den Staat betrügen will.

“Für das sind die Liquiditätskredite des Bundes da”
Als ich gestern beim SECO anrief um zu bestätigen, dass wirklich nur ein so kleiner Betrag für KMU-Unternehmer vorgesehen ist, habe ich genau diese Antwort erhalten! Die Bundeskredite sind eine tolle Idee und helfen ganz sicher, um die Liquidität sicherzustellen. Aber machen wir uns nichts vor – gerade Kleinstunternehmer werden Mühe haben, diese Kredite zu amortisieren und deren Bilanzen über Jahre belasten. Und nochmals: Das Geld wurde durch die KMU-Unternehmer in die ALV einbezahlt, dann sollte man im Krisenfall auch erwarten, dass einem diese Kasse hilft -und zwar à fonds perdu, resp. “fonds remboursé”!

Arbeitslosen-Versicherung und Startups – ein Skandal!

Das Schweizer Startup-Ökosystem ist in den letzten Jahren stark gewachsen – viele junge Leute sind bereit ihre Vision im Rahmen einer eigenen Firma zur Realität werden zu lassen und stürzen sich in das Abenteuer Startup. In den meisten Fällen geschieht dies mittels der Gründung einer Kapitalgesellschaft (AG oder GmbH) in welcher die Firmengründer massgeblich beteiligt sind und oftmals wird das Startup mit Hilfe von externen Investoren auf Wachstum getrimmt. Es werden die in der Schweiz so dringend benötigten Arbeitsplätze der Zukunft geschaffen und damit Personen- und Firmensteuern generiert. So weit so gut – und alle in Wirtschaft und Politik sind sich einig, dass Firmengründungen gefördert werden sollten, denn das ist die Zukunft.

Was geschieht nun aber, wenn eine Firmenidee scheitert und das Unternehmen ins Trudeln gerät? In der Regel versuchen dann die Firmengründer die Firma mittels Kostenreduktionen über Wasser zu halten – meistens wird auch beim eigenen Lohn gespart, oder schlicht und einfach über Monate kein Lohn ausbezahlt, um mit dem nächsten Pivot oder der nächsten Partnerschaft den Durchbruch zu schaffen.

Irgendwann geht es nicht mehr weiter, einem oder mehreren Gründern muss gekündigt werden und ist jetzt offiziell arbeitslos. Auf dem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV), kommt dann aber oft der Schock:
Gründer haben in so einem Fall keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, dies obschon sie während zT. über Jahre brav 2,2% ihres Bruttolohnes in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt haben.

Begründet wird das von der ALV mit der “arbeitgeberähnlichen Stellung” des Antragsstellers. Ist also ein Gründer in seinem Unternehmen in der Geschäftsleitung, unterschriftsberechtigt, im Verwaltungsrat oder “massgeblich am Unternehmen beteiligt”, wird von der Arbeitlosenkasse keine Leistung ausbezahlt. Mehr dazu nachzulesen gibt es in der AVIG-Praxis (ab B17) oder auf der Website der ALV. Die Verweigerung der Versicherungs-Leistung wird vom RAV mit der grossen Missbrauchsgefahr begründet – einzige Möglichkeit Versicherungsleistungen zu erhalten ist der Konkurs der Firma und/oder der Rücktritt von sämtlichen Ämtern bei einer AG/Gmbh – was aber in der Praxis oft tricky ist und/oder sehr lange dauert.

Viele Startup-Gründer/innen zahlen also jahrelang Prämien in die ALV ein, haben aber keinen Anspruch auf Leistungen, da sie über eine Kapitalgesellschaft angestellt sind. Wären sie im steuerlichen Sinn Selbständigerwerbende, hätten sie zwar auch keine Versicherungsleistung, müssten aber keine Prämien zahlen.

Viele Startup-Förderer und selbst der Bundesrat fordern “mehr Mut zum Risiko” bei Startup-Gründern und dass das Scheitern mit einem Startup nicht mehr mit einem Stigma belegt werden sollte. Gleichzeitig diskrimiert man aber gescheiterte Unternehmer und behandelt sie auf Vorrat wie notorische Betrüger – zockt sie aber dann doch gerne jahrelang als Beitragszahler ab.

Ich bin der Meinung, dass das nicht zusammenpasst und hier dringend eine Gesetzes-, resp. Praxisänderung herbeigeführt werden muss. Klar kann die ALV nicht schwankende Auftragslagen eines KMU überbrücken, aber dass man gescheiterte Gründer pauschal des Betrugs bezichtigt, aber dennoch Prämien zahlen lässt geht nicht. Mindestens sollte eine Einzelfall-Prüfung eingeführt, oder Minimal-Leistungen in Relation zu den bezahlten Prämien ausgerichtet werden. Alles andere ist nicht nur in höchstem Masse unfair, sondern prügelt gescheiterte Unternehmer unnötig.

Die Startup-Kapitaljagd 2017 ist eröffnet!

Aufgrund meiner Vergangenheit und meiner Exposure werde ich relativ häufig für Investments in Startups angegangen – was jedoch die letzten paar Wochen abgeht, ist unglaublich und habe ich so noch nie erlebt! Alleine letzte Woche erreichten mich 23 Finanzierungsanfragen – seit Anfang Jahr sind es mehr als 110!!!

Dabei ist wieder einmal augenfälllig, dass in Europa eine grosse Finanzierungslücke zwischen Pre-Seed/Seed und einer anständigen Series-A-Runde klafft. Die meisten der kapitalsuchenden Startups sind schon 2-3 Jahre unterwegs und suchen für den nächsten Schritt € 2-4Mio. Das ist für Businessangels zu viel Geld, für grosse VC-Firmen aber zu wenig.

Als Startup-Investor ohne Sekretariat oder Mitarbeiter ist die Flut der eingehenden Anfragen kaum mehr zu bewältigen – meist kann ich mir darum wirklich nur 2-3 Minuten Zeit nehmen um eine Idee kurz anzuschauen und muss dann in 99% der Fälle absagen. Nach meiner Absage haken dann wiederum rund 2/3 der Startups nach und fighten für ein Investment – kann man machen, führt aber bei mir eigentlich nie zum Erfolg, sondern erhöht nur meinen Aufwand.

Dabei liegt es mir absolut fern unhöflich, oder gar arrogant zu wirken, denn ich weiss selber aus eigener Erfahrung, wie mühsam die Betteltour bei den Investoren ist. Leider aber ist es so, dass momentan die Nachfrage nach Kapital das Angebot massiv übertrifft. Hier darum einige Tipps, wie man erfolgreich einen Investor angeht:

A) Zeit einplanen
Ein Startup hat es in der Regel extrem eilig, will schnell zu Geld kommen um endlich loslegen zu können oder muss das Konto auffüllen um in einigen Tagen Rechnungen und Löhne zu zahlen. Als Investor will ich mich jedoch nicht in einen zu ambitiösen Zeitplan drängen lassen, sondern mir die Sache in aller Ruhe anschauen und dann entscheiden können. Pusht mich ein Startup zu fest, kann es darum durchaus sein, dass ich den Deal fallenlasse. Auch Nachfass-Anrufe Abends oder am Samstag/Sonntag gehen nicht!

Fazit:
Eine Finanzierungsrunde (Start bis Geld-auf-Konto), dauert in der Regel 3-6 Monate. Es empfiehlt sich darum mit dem Fundraising anzufangen, solange man noch Geld und Gelassenheit hat.

B) Investor-Pattern durchschauen
Mich erstaunt immer wieder, wieviele Anfragen ich für Life-Science-Startups erhalte. Dies obschon ich noch nie in ein solches investiert habe, denn Naturwissenschaften sind nicht mein Ding und deshalb verstehe ich in aller Regel weder die Problemstellung, noch die geniale Lösung des Startups und wäre der komplett falsche Investor.

Fazit:
Es lohnt sich, sich etwas Zeit für die Vorauswahl der potentiellen Investoren zu nehmen. Heute gibt es im Internet sehr viele Infos und es ist relativ leicht, ein Investoren-Pattern aufgrund der öffentlich zugänglichen Infos zu erkennen. Ist der richtige Wunsch-Investor identifiziert, lassen sich viele Leerläufe vermeiden.


C) Bewertungen und Terms
In letzter Zeit treffe ich auf viele Startups, die grosse Ambitionen haben, in der Realität jedoch noch kaum etwas erreichen konnten – dies ist soweit normal und ok. Gleichzeitig träumen diese Startups dann aber von Silicon-Valley-Bewertungen (Pre-Product Seed-Round € 3M und mehr) und wollen gleichzeitig aber keine harten Terms (Liq-Pref, Anti-Dillution, Founders-Lockup, etc) akzeptieren.

Fazit:
Einerseits ist das Timing bei Kapitalrunden sicher extrem entscheidend. Umso mehr man nachweislich erreicht hat und Thesen beweisen konnte, desto mehr lassen sich höhere Bewertungen durchsetzen. Hohe Bewertungen haben aber auch eine Kehrseite, denn Investoren sichern sich mit allerhand Instrumenten für den Fall ab, dass der Businessplan nicht wie vorgesehen aufgeht.  Manchmal ist es darum schlauer, die Bewertung etwas tiefer anzusetzen und dafür gründerfreundliche Terms durchzusetzen.

D) Investoren-Geld bedeutet Kontrollverlust
In der Realität hat ein junger Gründer kaum genug eigenes Geld, um seine Firma in kurzer Zeit den Weltmarkt erobern zu lassen. Er könnte wohl bescheiden gründen und langsam wachsen – aber mit externem Investoren-Geld geht das viel schneller. Manche Gründer scheinen aber zu vergessen, dass externes Kapital auch einen gewissen Kontrollverlust mit sich bringt. Geldgeber wollen mitreden und ständig auf dem Laufenden gehalten werden – dazu nehmen diese meist Einsitz in den Verwaltungsrat.

Fazit:
Startup-Investoren riskieren sehr viel – nebst dem investierten Geld meist auch noch ihren Ruf – zudem unterstützen sie ein Startup oft auch zeitlich indem sie ihr Netzwerk öffnen und die Gründer coachen. Nichts als verständlich, wollen Investoren auch mitreden – ein offenes und ehrliches Verhältnis zwischen Gründern und Investoren ist deshalb unerlässlich.

Zürcher Startup-Steuer ist Geschichte!

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Wie bereits in meinem letzten Blogbeitrag erwähnt, ist in den letzten Wochen in der Zürcher Finanzdirektion in Sachen “Startup-Steuer”  langsam aber sicher Einsicht eingekehrt. Und heute ist es soweit, veröffentlicht doch die Finanzdirektion folgende Medienmitteilung, in der sie ankündigt, die schädliche Startup-Steuer fallen zu lassen.

Allerdings besteht auch aufgrund der neu erlassenen Weisung ein gewisser Spielraum, was in Steuersachen durchaus üblich ist. Es ist von “Firmen im Aufbau” für die Definition von Startups die Rede, ebenso wird der Substanzwert nur als Basis genommen, bis “repräsentative Geschäftsergebnisse” vorliegen. Allerdings wird auch klar gesagt, dass Investorenpreise nicht als Basis für die Bewertung hinzugezogen werden können.

Alles sehr gummig und nicht sehr präzise! Allerdings scheinen sowohl der Finanzdirektor Ernst Stocker, wie auch die Steuerverwaltung begriffen zu haben, dass man nicht virtuell-spekulative Vermögenswerte besteuern kann, was schon ein sehr grosser Erfolg ist und mich positiv stimmt.

Es wird nun darauf ankommen, wie die neue Weisung in der Praxis umgesetzt wird. Die Erfahrung hat gezeigt, dass man hier der Steuerverwaltung ganz genau auf die Finger schauen muss, damit hier nicht wieder übertrieben wird!

Alles in allem ist heute aber ein sehr erfreulicher Tag für Zürcher Startups. Dank grossem Druck der Startup-Szene und einzelnen Exponenten der Politik wurde dieses Ergebnis erreicht. Ich kenne die meisten Exponenten, die unermüdlich, unentgeltlich und mit grossem Einsatz für diese Praxisänderung gekämpft haben – ich war hier nur ein kleines Zahnrad. Danke Euch ganz herzlich für Euren Einsatz!

 

Startup-Steuer: Positive Signale aus der Finanzdirektion

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Seit rund zwei Jahren hat die Finanzdirektion des Kantons Zürich Gründer und Frühinvestoren von Startups mit happigen Vermögenssteuer-Rechnungen verschreckt. Denn wider jeglicher Logik wurden Preise aus Finanzierungsrunden als “Verkehrswert” betrachtet und die Besitzer von Startup-Aktien in manchen Fällen mit horrenden Vermögenssteuern bestraft.

Mittlerweile wurde die Liste der Kantone, die den Sachverhalt genau gegenteilig wie Zürich handhaben immer länger und länger (siehe Bericht). In der Tat fand sich in einer Umfrage bei den verschiedenen Finanzdirektionen/Steuerämtern in der Schweiz nicht ein einziger Kanton, der die Zürcher Praxis übernimmt – der Kanton Zürich steht also schweizweit alleine da und ist als Startup-Standort sehr unattraktiv geworden.

So langsam scheinen nun auch Finanzdirektion und Steueramt in Zürich aufzuwachen. Nachdem die Zürcher Startup-Steuer von deren Exponenten bisher immer standhaft verteidigt wurde, scheint man nun offen für eine Kehrtwende. Eine Fachkommission mit Vertretern aus Finanzdirektion, Steuerverwaltung und der Wirtschaft wurde gebildet und man sucht nun aktiv einen Weg aus der Sackgasse, sprich die “Startup-Steuer” wieder abzuschaffen.

Wie man sich aber gut vorstellen kann, ist es mit dem guten Willen einer Regierung und Verwaltung alleine nicht getan. In der Praxis müssen Richtlinien überarbeitet werden und allfällig neue Regelungen sauber durchdacht und formuliert werden. Zudem muss man wohl auch entscheiden, was mit den bemitleidenswerten Startup-Shareholdern passiert, welche die letzten Jahre eine solche Steuerrechnung zahlen mussten oder momentan einen Rekurs am Laufen haben.

Insgesamt bin ich aber sehr positiv, dass Regierungsrat Ernst Stocker sein Versprechen “Startups sollen es in Zürich mindestens ebenso gut haben, wie im Rest der Schweiz”, doch noch einlöst. Ich bin guter Hoffnung, dass dieses Thema bis Ende Jahr erledigt ist und wir uns alle – Politik wie Startups – im 2017 wieder anderen Themen widmen können.