The covid vaccine will not enable carefree travel

Corona vaccines have been broadly discussed since the outbreak of the corona pandemic. Thanks to intense research and huge funding, vaccines were developed and approved in many countries in record time. Europe wants to vaccinate all citizens, willing to get vaccinated, by the end of 2021 and thus get the corona pandemic under control step by step.

But what does the vaccination mean for our freedom of movement? Will it enable travel without tests and quarantines and thus promote the resurrection of the tourism industry? Will the vaccination certificate become an indispensable travel document for all travellers? And how do you deal with the unvaccinated?

It is currently generally assumed that a Corona vaccination primarily reduces symptoms and the number of severe cases. This means that you can very well be infected and become a virus carrier, but not get sick with Covid-19. However, as a virus carrier, you are still likely to be contagious and pass the virus on to unvaccinated people without noticing, since you have no symptoms. That’s bad news, no, even very bad news for travelling!

The proof of Covid-vaccination alone doesn’t really make me, as a visitor to a country, any less dangerous than before. The vaccination will unfortunately be almost useless in cross-border traffic as long as the destination country uses a “containment strategy”, such as sp. Asia, Australia, New Zealand, etc.

Until a certain immunity rate is reached at the travel destinations, tests and/or quarantines will still be required in order to prevent the introduction of the virus (including new mutations). Corona tests will therefore accompany us in tourism for another 2-3 years – until a certain vaccination rate has been reached at the travel destinations, protecting large parts of the population from the disease. Israel for example, with a record high vaccination rate of already 25% of its population, may soon lift travel bans, probably leading to a boom in incoming tourism.

It will also be interesting to see whether the expensive and time-consuming PCR test, which is currently used everywhere, remains the measure of all things, because with symptom-free infections, combined with less restrictive rules in everyday life, the number of infections is likely to continue to skyrocket and the rate of positivity increase dramatically. Travelling as a group or family could be difficult if someone  is tested positive via PCR shortly before departure (or even in the destination country). Upper limits for viral load or specially developed rapid tests could be a solution and to show whether you are currently contagious or not.

The countless initiatives related to vaccination certificates (IATA, WEF, WHO, Airlines, etc) are therefore the wrong approach, because whether a traveller has vaccination protection is primarily relevant for the traveller himself, protecting the traveller against an outbreak of the disease. However, the vaccination certificate does not provide any information on whether a visitor carries the virus (or a new mutation). Therefore the subject of vaccination cards is less important than the development of international standards with regards to testing and quarantines in travel – especially for travellers who have already tested positive via PCR and the acceptance of various rapid tests. The topic will stay with us for a while (especially in the long-haul area) – so it’s about time to try to standardize the rules!

Der Impfpass wird kein Reise-Freipass!

Das gute alte Impfbüchlein

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurde intensiv über Corona-Impfstoffe diskutiert – es wurde geforscht, gefördert und zur Überraschung Vieler wurde in einigen Nationen bereits vor dem Jahresende mit der Impfung von Risikpatienten begonnen. Europa will sämtliche impfwilligen Bürger bis Ende 2021 impfen und somit die Corona-Pandemie Schritt für Schritt in den Griff zu kriegen.

Was aber bedeuten die Impfungen für unsere Bewegungsfreiheit? Für die Reisemöglichkeiten ohne Tests und Quarantänen und somit der Auferstehung der Tourismuswirtschaft? Wird der Impfpass zum unentbehrlichen Reisedokument für alle Reisenden? Und was macht man mit den Nichtimpfern?

Man geht ja Stand heute allgemein davon aus, dass eine Corona-Impfung primär den Ausbruch der Krankheit unterdrückt. Das heisst, dass man sich sehr wohl anstecken und zum Virusträger werden kann, jedoch nicht an Covid-19 erkrankt. Man dürfte aber als Virusträger nach wie vor ansteckend sein und das Virus an Ungeimpfte weitergeben, und das ohne, dass ich dies als Virusträger bemerke, da aufgrund der Impfung symptomlos. Das ist schlecht, nein fürs Reisen sogar sehr schlecht!

Der Impfnachweis alleine macht mich als Besucher eines Landes also noch nicht wirklich weniger gefährlich, als bisher. Die Impfung wird im grenzüberschreitenden Verkehr leider nahezu nutzlos sein, solange das Zielland auf eine “Containment-Strategie” setzt, wie zBsp. Asien, Australien, Neuseeland, etc.

Es wird bis zum Erreichen einer gewissen Immunitätsrate an den Reisedestinationen also nach wie vor Tests, oder Quarantänen brauchen, damit Einschleppungen des Virus (inkl. neuer Mutationen) verhindert werden können. Die Corona-Tests werden uns daher im Tourismus noch 2-3 Jahre begleiten – dies bis an den Reisedestinationen eine gewisse Impfrate erreicht ist, die weite Teile der Bevölkerung vor der Krankheit schützt.

Es wird auch interessant zu beobachten sein, ob der momentan überall eingesetzte, teure und aufwändige PCR-Test weiterhin das Mass aller Dinge bleibt, denn mit den symptomlosen Ansteckungen, kombiniert mit den Lockerungen im Alltag, dürften die Infektionszahlen weiter in die Höhe schnellen und die Positivitätsrate drastisch steigen. Reisen als Gruppe oder Familie könnten deshalb schwierig werden, da laufend jemand kurz vor der Abreise (oder sogar im Zielland) mittels PCR positiv getestet werden wird. Grenzwerte zur Viruslast, oder speziell entwickelte Schnelltests könnten hier die Lösung sein und aufzeigen ob man momentan noch ansteckend ist, oder nicht.

Die unzähligen Initiativen in Bezug auf den Impfnachweis (IATA, WEF, WHO, Airlines) sind deshalb die falsche Stossrichtung, denn ob ein Reisender über einen Impfschutz verfügt, ist primär für den Reisenden selber relevant, da er vor einem Ausbruch der Krankheit geschützt ist. Der Impfnachweis gibt aber keine Auskunft darüber, ob ein Besucher das Virus (oder eine neue Mutation) in ein Land bringt. Viel wichtiger als das Thema Impfausweis ist darum die Entwicklung von internationalen Standards in Bezug auf Testing und Quarantänen im Reiseverkehr – inbesondere auch für bereits per PCR positiv getestete Reisende und der Akzeptanz von diversen Schnelltests. Das Thema wird uns (vorallem im Langstreckenbereich) noch eine Weile begleiten – also höchste Zeit, hier sehr bald eine Vereinheitlichung der Regeln anzustreben!

Keine Geheimnisse mehr bei Weihnachtsgeschenken….!

Seit Jahren versuche ich den Geschenkerummel rund um Weihnachten zu reduzieren – zu viel Materialschlacht, zu viel Kommerz. Trotzdem gibt es in meiner Familie einige unumgängliche Präsente, die jedes Jahr aufs Neue beschafft werden wollen. Seit Jahre schon versuche ich darum, ca. 14 Tage vor Weihnachten den Grossteil dieser Geschenke, online zu bestellen – in diesem Jahr erst Recht! So weit, so gut.

Was mich aber zunehmend nervt, ist die Online-Werbemaschinerie, welche über Weihnachten gnadenlos zuschlägt und jegliche geheime Geschenkidee sofort im ganzen Haushalt publik macht.

Beispiel 1:
Meine Partnerin erwähnt in einem Nebensatz, dass sie gerne mal wieder einen Füllfederhalter haben möchte. Ich schnappe das vor ein paar Wochen auf und tummle mich am letzten Wochenende auf den Seiten von Montblanc, Caran d’Ache und weiteren Herstellern von edlen Schreibgeräten.

Resultat:
Nicht nur meine Timeline ist diese Woche voll mit Füllfederhalter-Werbung, sondern auch meine Partnerin wird seit Tagen mit Füllerwerbung überflutet – egal auf welcher Website sie sich tummelt, kriegt sie ein Schreibgerät eingeblendet.

Beispiel 2:
Meine Schwiegermutter klagt immer wieder über kalte Hände – vorallem wenn sie im Winter Auto fährt (keine Steuerrad-Heizung), macht ihr die Kälte zu schaffen. Meine Partnerin hört von einer Kollegin, dass es mittleweile ganz gute “USB-Handschuhe” mit integrierter Heizung gäbe. Ich höre, wie sie mit ihrer Kollegin darüber spricht und sie danach googelt, sich über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Handschuhe informiert.

Resultat:
Noch während sie am Telefon ist, kriege ich in meiner Facebook-Timeline bereits Werbung für “USB-Handschuhe” angezeigt, keine 10 Minuten, nachdem sie den Begriff eingegeben hat.

Der Uebeltäter:
Während wir ja tagtäglich beim Besuch von Websites irgendwelche Cookies akzeptieren (oder nicht), scheint die Werbung nicht über den Browser, oder die Hardware gesteuert zu sein, denn da haben wir unterschiedliche Setups, ja sogar jeweils Mac und Windows-PC. Vielmehr scheint unser Swisscom-Modem der “Big Brother” zu sein, den auf diesem surfen wir gemeinsam. Der Verdacht liegt nahe, dass die Swisscom unsere Daten schlicht und einfach an die Werbewirtschaft verkauft. Oder vielleicht ist es doch die Box von Swisscom-TV, welche sich nicht nur bei “Hey Swisscom” einschaltet, sodern permanent im Hintergrund mithört?

Fazit:
Heimlich online Weihnachtsgeschenke zu kaufen wird immer schwieriger. Die Pseudo-Kontrolle, die man dem User beim akzeptieren von Cookies gibt, wird hintenrum, ohne mein Wissen umgangen. Dieses offensichtliche Eindringen der Werbewirtschaft in meine Privatsphäre, ohne meine Einwilligung, nervt mich gewaltig. Auch Swisscom muss mir bald mal ein paar Fragen beantworten. Wie kommen meine Surfdaten zur Werbewirtschaft und vorallem: wieso werden diese auf Hausaltsebene wieder ausgespielt?


Holprige Stabübergabe beim Bundesamt für Gesundheit

Seit gut einem halben Jahr kennen wir in der Schweiz das Ritual: bei regelmässigen Pressekonferenzen informiert das Bundesamt für Gesundheit und/oder der Bundesrat über die Lage an der Corona-Front. Heute war es wieder mal soweit, diesmal nicht aus dem Bundes-Pressezentrum, sondern direkt aus dem BAG in Bern-Liebefeld.

Meine Erwartungen waren hoch, sind doch viele Fragen im Zusammenhang mit den neuesten Entwicklungen rund um die Pandemie unklar, wie auch viele Themen rund um die Quarantänelisten offen. Meine Hoffnung auf klare Informationen stieg rasant, als sich anstelle der wohl bekannten Herrentruppe die neuen Chefinnen im BAG-House zur Pressekonferenz aufreiten.

Endlich Pandemie-Frauenpower, wie in Neuseeland oder Finland? Ein neuer Führungsstil und pragmatische Lösungen? Auch die Tatsache, dass die neue BAG-Direktorin Anne Lévy herself anwesend war, gab Hoffnung, war doch ihr Vorgänger Pascal Strupler, schon beim Ausbruch der Pandemie in gekündigter Stellung und quasi eine “lame duck”, die nie in Erscheinung trat.

Aber leider wurde hier eine grosse Chance vertan, denn sehr viele Fragen blieben offen. Was mir als einziges von dieser Pressekonferenz blieb, war ein amateurhafter Stream mit Gewackel und Tonausfällen und dass die BAG-Plakate jetzt neu orange anstatt rot sind.

So gerne hätte ich Fragen auf die folgenden Antworten erhalten:

  • Wie erklärt sich das BAG die Differenz zwischen steigenden Fallzahlen und tiefen Hospitalisierungen und Todesfällen?
  • Was ist die Bilanz des nun drei Monate anhaltenden Quarantäne-Wahnsinns für Reiserückkehrer? Kann das BAG nun Zahlen vorlegen, welche diese drastische Massnahme rechtfertigen? Wieviele der in Quarantäne gesetzten (gesunden!) Menschen wurden wirklich krank und aus welchem Land kamen sie?
  • Was ist mit den Schnelltests? Man kann nicht monatelang sagen, dass man diese prüft
  • Warum werden neue Quarantäne-Länder immer erst am Freitagnachmittag bekannt gegeben? Airlines, Reisebranche und Touristen haben so kaum Zeit, sich zu organisieren.

Neue Leute sollen in ihren Funktionen ja immer einen Anfangskredit haben, da sie sich in ihrer neuen Funktion erst einleben müssen. Aber die BAG-Führung muss nun auf gewisse Fragen endlich Antworten liefern!

BAG verpennt praktikable Lösungen für Reise-Rückkehrer

Das BAG hat die Schweiz einigermassen glimpflich durch den Lockdown gebracht. Soweit, so gut! Allerdings hat das BAG im Bereich Reisen/Grenzkontrollen komplett versagt und das Drama geht weiter!

Als Mitte Juni, nach 3 Monaten Reisestillstand die Grenzen aufgingen, schien man sowohl bei den kantonalen, wie auch eidgenössischen Behörden komplett unvorbereitet zu sein. Es gab keinerlei grenzsanitarische Massnahmen, weder an den Flughäfen, noch an den Landgrenzen. Einzig, wenn in die Schweiz einfliegend, musste ein physisches Contact-Tracing-Formular ausgefüllt werden, welches dann irgendwo in den Tiefen des Flughafen-Archivs verschwand.

Aufgrund der zunehmenden “eingeschleppten Fälle”, hat das BAG dann Anfang Juli in einer “Nacht-und-Nebel-Uebung” eine Quarantänepflicht von 10 Tagen für die Einreisenden aus einer Vielzahl von Ländern verhängt. Diese Listen wurden dann am 22. Juli und 5. August um weitere Länder erweitert. Gleichzeitig herrscht beim Vollzug der Quarantäne-Massnahmen ein kantonales Wirrwarr, so dass sich der Kanton Zürich letzte Woche, in einer datenschutzrechtlich fragwürdigen Aktion, die elektronischen Daten der Einreisenden auf dem “kurzen Dienstweg” beschafft hat. Leute, die sich nicht an die Quarantäne-Vorschriften halten werden verzeigt und mit CHF 5000.– bis 10’000 gebüsst – hier wird viel Energie verwendet!

Allerdings kann man sich bis heute an den Flughäfen Zürich und Genf, weder bei Abflug, noch bei Ankunft auf das Corona-Virus testen lassen. Testing entspreche in Bezug auf Reisende nicht der Strategie des BAG, wird mitgeteilt. Zudem sei ein negativer Corona-Test kein Garant dafür, dass man negativ bleibe und ein entsprechender Test deshalb nutzlos. Viel lieber lässt man darum die potenziell so gefährlichen Reise-Rückkehrer mit dem ÖV nach Hause fahren und behandelt sie dann unter Androhung von drakonischen Strafen wie potentielle Schwerverbrecher.

Aber macht das alles Sinn? Ein Blick über die Grenzen hilft:
Sowohl in Deutschland, wie auch in Frankreich werden Reise-Rückkehrer getestet. Es besteht in beiden Ländern eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risiko-Ländern, allen andern Rückkehrern wird der Test empfohlen und ist gratis. Desweitern folgt nach dem negativen Test keine Quarantäne, sofern man keine Symptome hat.

Deutschland und Frankreich haben innert 1-2 Wochen an allen Flughäfen und Seehäfen Testcenters aufgebaut und machen täglich mehrere zehntausend Test. An neuralgischen Punkten in Grenznähe, kann man sich auch auf deutschen Autobahnraststätten gratis testen lassen, was rege benutzt wird.

Vom Schweizer BAG wird argumentiert, dass ein negativer PCR-Test nicht viel nütze, da ein Test nur eine Momentaufnahme sei und die relativ lange Inkubationszeit (je nach Quelle 2-7 Tage) eine bestehende Infektion mit dem Virus nicht 100%ig ausschliessen könne. Das ist wissenschaftlich einigermassen korrekt – allerdings kann man mit einem Testing bei Grenzübertritt einen Grossteil der bereits infizierten Reisenden identifizieren, isolieren und Ansteckungsketten unterbinden.

Gemäss BAG sind nur knapp 10% der Fälle in der Schweiz aus dem Ausland eingeschleppt, gut die Hälfte davon aus Risikoländern – das Problem ist also einigermassen überschaubar und würde sich mit Testing an der Grenze massiv reduzieren, wie das unsere Nachbarländer vormachen. Zudem würde man mit diesem Regime wohl eine fast 100%ige Akzeptanz bei den Rückkehrern erreichen, was beim restriktiven Quarantäne-Regime jedoch eher fraglich ist.

In der Schweiz schiesst man also lieber mit Kanonen auf Spatzen, verhängt massive Quarantänen und lässt die Kantone Bussen verteilen. Ein Viertel der in der Schweiz wohnhaften Bevölkerung hat einen ausländischen Pass, rund 50% aller Familien haben im Ausland lebende Verwandte. Zehntausende von Schweizern bestraft man bei der Rückkehr aus den Ferien (Spanien!) mit Quarantänen und allfälligen Lohnausfällen. Es scheint fast so, als dass man den Leuten, die sich nicht an den mehrfachen bundesrätlichen Aufruf (“Machen Sie Ferien in der Schweiz”) halten wollen oder können, maximal bestrafen will – auch wenn es durchaus anders ginge! Und ja, ganz nebenbei verunmöglicht man der bereits am Boden liegenden Schweizer Outgoing-Reisebranche und der eben erst mit Milliarden von Bundesgeldern unterstützten Swiss einen Restart. Zudem wird auch der Tourismus in der Schweiz unter einer solchen Regelung leiden, wenn man immer wieder ganze Gästegruppen in die Quarantäne schickt. Dümmer gehts ja eigentlich kaum mehr!

Ich fordere deshalb die Schweizer Behörden auf, endlich dem deutschen und französischen Vorbild zu folgen und entsprechende Testmöglichkeiten an den Grenzpunkten zu installieren. Ein negatives Testergebnis soll im Regelfall keine Quarantäne nötig machen, Rückreisende nicht bestraft werden. Die Ressourcen sind auf Testing und nicht auf Repression und Durchsetzung der Quarantänen zu fokussieren!

PS:
Zudem sollten sich die Schengenstaaten langsam zusammenraufen und ein gemeinsames Regime innerhalb Schengen und gegenüber Drittstaaten entwickeln. Die Tourismuswirtschaft (egal ob in/outbound) steht je nach Land für 10-40% des BIP und braucht dringend klare, praktikable Lösungen – nicht restriktive Verbote!

Aufwachen, Kuschelbranche!

Die Outgoing-Reisebranche ist eine Dienstleistungsbranche – dementsprechend sind viele von uns sehr offen, zugänglich und überaus nett. Auch branchenintern pflegt man die Harmonie, quer über die verschiedenen Konkurrenzfirmen hinweg. Der Bückling ist in unserer Travelagent-DNA quasi schon mit eingebaut. Was unsere Branche für viele ausmacht, wird uns jetzt aber leider immer mehr zum Verhängnis:

Die Ereignisse der letzten Monate sind dramatisch, mit Umsatzrückgängen von 70-80%, ist in der Schweizer Reisebranche im 2020 zu rechnen – und leider sind wohl auch weitere Büroschliessungen und Massenentlassungen (bisher ca. minus 350 Stellen) nicht zu vermeiden.

Unsere Branche fliegt uns also gerade gewaltig um die Ohren… und es wird für viele Firmen keine Zukunft geben, ohne dass der Bund die Branche für das monatelange, faktische Berufsverbot (das infolge der Quarantänen anhält) entschädigt, wie dies auch bei Kulturschaffenden, Event-Anbietern, Sportvereinen, Startups, Transportunternehmen, Spitälern, Kitas, Winzern, Incoming-Reisebranche, schon längst auf den Weg gebracht wurde!

Und was machen unsere Reisebranchen-Exponenten und Wortführer, wie Verbände, CEO’s und Branchenmedien? Sie sind alle nett, mahnen zur Geduld und betonen, dass man die (streng geheimen) Gespräche der Verbands-Taskforce beim Seco jetzt nicht durch “Aktivismus” torpedieren solle. “Habt Geduld und Vertrauen” ist das Mantra, welches so viele in unserer Branche predigen. Und ab und zu poppt, zur Beruhigung der Reisebüro-Seele ein Selfie, von einem Treffen einer Verbandsdelegation mit einem Bundesrat auf.

Aber seien wir mal ehrlich miteinander und etwas selbstkritisch:
Die Bemühungen unserer Exponenten in Bern – allen voran André Lüthi, der das mit einem riesigen Einsatz macht, sind löblich, sehr verdankenswert und haben die allerbesten Absichten. Trotzdem müssen wir konstatieren, dass diese seit der Sondersession, wo man noch mit Ach und Krach den Betreibungsstillstand und die LX-Rückzahlungsklausel durchgebracht hat, ins Stocken geraten sind. Diese beiden Erfolge für die Branche, haben den Bund übrigens keinen Rappen gekostet, sondern ihnen zwei Probleme (Verschlampung Revision PRG und Konsumentenaufstand bei LX-Zahlungsausfall) elegant gelöst! Wir sollten uns deshalb davon nicht allzu fest blenden lassen.

Daneben scheint die Taskforce vorallem mit dem Seco in Kontakt gestanden zu sein und hat auf dessen Geheiss ein Papier mit möglichen Unterstützungsformen erarbeitet und besprochen. Es müssen viele Sitzungen mit dem Seco (in deren Sold zeitweise André Lüthi und weitere Globetrotter-Mitarbeiter standen! Korrektur: Sie hatten nur ein unentgeltliches Mandat) gewesen sein, denn man hat offenbar in einem Anflug von Stockholm-Syndrom zugestimmt, dass die Details dieser Unterredungen geheim bleiben! Man muss sich das mal vor Augen führen: Die Verbandsspitzen führen wochenlang Geheimgespräche mit einer Bundesbehörde und lassen dabei ihre Mitglieder und sogar ihre Vorstandskollegen bis heute im Dunkeln!

Am 2. Juli, kurz vor den Sommerferien, dann ein Lichtblick! Der SRV meldet, dass “Mitarbeiter in arbeitgeberähnlicher Stellung” (MIAS) in der Reisebranche nun auch Kurzarbeitsentschädigung (KAE) beantragen können. Die Taskforce jubelt: “Der Reisebranche fliessen Millionen zu”. Wenige Tage später stellt sich dann (diesmal still und leise) heraus, dass die Reisebranche hier doch nicht berücksichtigt wurde, sondern nur die Event-Branche. Anstatt Millionen, gibts keinen Rappen! Ob unsere Reisebranchen-Vertreter hier etwas falsch verstanden haben, oder politisch aufs Glatteis geführt wurden, ist nicht bekannt und wird von den Verbänden und den (ebenso braven) Branchenmedien totgeschwiegen.

Das alles hinterlässt leider ein sehr ungutes Gefühl und irritiert mich zutiefst. Gleichzeitig habe ich aber auch ein gewisses Verständnis für unsere Reisebranchen-Vertreter. Das Berner Politpflaster ist hart und voller Schlangengruben und wir als Schweizer Reisebranche sind in Bundesbern blutige Anfänger.

Eines ist für mich aber so sicher, wie das Amen in der Kirche: Unsere Branche muss in die Offensive, wir müssen laut werden, richtig laut werden, um in Bundesbern gehört zu werden!! Subventionen werden nicht in bundesrätlichen Hinterzimmer-Deals verteilt, sondern über politische Meinungsmache, Lobbying und öffentlichen Druck auf den Weg gebracht – alles andere ist – sorry – naiv!

Ich fordere deshalb unsere Verbände, unsere CEO’s, unsere Branchenmedien, ja die gesamte Reisebranche auf, endlich, endlich laut zu werden, Forderungen zu stellen und ganz klar zu formulieren, was man vom Bund will und dafür zu sorgen, dass wir damit permanent medial präsent sind! Kämpfen ist angesagt meine Freunde, nicht taktieren und kuscheln – sonst stehen wir im Herbst mit leeren Händen und gescheiterten Existenzen da!


PS:
Und noch etwas: Wenn ich das nächste Mal einen unserer Outgoing-Branchenvertreter öffentlich sagen höre, dass wir halt viel kleiner und viel weniger wichtig als das Incoming seien, so beisse ich in die Tischplatte! Was objektiv richtig ist, darf in einer Debatte nie so öffentlich gesagt werden, denn es macht einem erst recht klein und unbedeutend. Unsere Branche sorgt für die schönsten Wochen im Jahr und hilft Firmen bei der Organisation für wirtschaftlich wichtige Geschäftsreisen. Ohne uns wären Tausende Schweizer den Lockdown über im Ausland geblieben, und nicht mehr heimgekommen. Wir sind systemrelevent und wichtig, basta!

Wieso Airlines kein Bargeld haben….

Wer dieser Tage bei einer Airline seine Flüge annulliert, erwartet eine Rückerstattung des vor Wochen oder Monaten bezahlten Ticketbetrags. Meist erhält man aber keine Antwort, oder lediglich einen Gutschein.

Warum das so ist, zeigt diese Grafik aus “Bloomberg” deutlich – es fehlt den Airlines an Cash! Das für die Flüge in die Frühlings- oder Sommerferien bezahlte Geld, wurde weit vor dem Boarding, für den laufenden Betrieb verwendet. Im Fall der Lufthansa besteht die vorhandene Liquidität offenbar zu mehr als 70% aus Kunden-Vorauszahlungen….!!!

 

tug of war

Daher haben viele Airlines Rückerstattungen an Privatkunden, aber auch Reisebüros und Reiseveranstalter eingestellt. Die Reisebüros wiederum sitzen im Sandwich, sind (je nach Konstellation) für die Rückerstattungen an ihre Kunden haftbar und müssen jetzt befürchten, wegen der Praxis der Airlines in Konkurs zu geraten. Zwar fordern die Reisebüro-Verbände seit langem eine Kundengeld-Absicherung, nur wurde diese Forderung von den Airlines seit Jahren vom Tisch gewischt…und es wurden munter weiter Kundengelder als Betriebskapital missbraucht.

Wir kennen das Spiel von den Banken vor/während der Finanzkrise. Es werden Risiken eingegangen, da man als Management davon ausgeht, im Krisenfall sowieso vom Staat gerettet zu werden –> too big to fail – oder systemrelevant, wie das auf gut deutsch heisst.

Dies ist mit Sicherheit auch bei den Netzwerk-Airlines wie Swiss/Lufthansa der Fall. Gerade in der Schweiz haben wir schon einmal erlebt, was eine Airline-Pleite an Folgeschäden verursacht – das will man nicht nochmal erleben und die Politik ist dementsprechend gefügig.

Die ehemaligen Staats-Airlines, wie Swiss/Lufthansa/Austrian, British/Iberia oder AirFrance/KLM und SAS gehören vom Staat* gerettet und sollen auch in Privatbesitz bleiben. Gleichzeitig soll der Gesetzgeber nun aber mit harten Auflagen an das Eigenkapital von Airlines dafür Sorgen, dass sich diese in Zukunft nicht auf Kosten von Kunden-Vorauszahlungen finanzieren dürfen. Kundengelder gehören über eine Fondslösung oder eine Insolvenz-Versicherung abgesichert, wie das Reiseveranstalter seit mehr als zwei Jahrzehnten von Gesetzes wegen tun müssen.

*tbd: welcher Staat im Falle der LH

 

Airlines, wir müssen reden!

Zugegeben, das Airline-Business ist ein äusserst schwieriges und hochkomplexes Geschäft. Da muss auch in normalen Zeiten ganz viel zusammenpassen, damit eine Fluggesellschaft gut funktioniert und Gewinn abwirft.  Obschon privatwirtschaftlich organisiert, erfüllen Airlines eine wichtige öffentliche Funktion, denn sie stellen die für Wirtschaft, Tourismus und Logistik nötigen Verkehrsanbindungen her, mit der unsere heutige Welt funktioniert. Dies wird einem jetzt in der Corona-Krise ganz besonders bewusst, wo das ganze System zum Stillstand kommt und praktisch alle Flugzeuge am Boden stehen.

Es ist für mich deshalb dringend notwendig, dass die verschiedenen Staaten den Airlines und auch den anderen Stakeholdern im arg gebeutelten Luftfahrt-Ökosystem (Abfertiger, Wartungsbetrieben, Luftfracht-Betreibern, Flughäfen, etc) zeitnah unter die Arme greifen, um deren Überleben zu sichern.

Wenn dies aber die öffentliche Hand mit dem Geld von uns allen Steuerzahlern tut, so gilt es jetzt aber einige Fehlentwicklungen der letzten Jahre anzusprechen und zu beseitigen:

 
Gutscheine anstatt Bargeld
Momentan sind die Zeiten für alle hart, insbesondere für Airlines. Die Liquidität ist nach dem Nachfrage-Kollaps eng – das versteht jeder. Auch dass viele Airlines die letzten Wochen mit dem Ansturm an Anfragen nicht zurecht gekommen sind, ist völlig verständlich.

Es gilt aber ganz klar festzuhalten, dass jeder Kunde Anspruch auf die Rückerstattung der bereits einbezahlten und nicht angetretenen Flüge hat.

Leider aber sind nun viele Airlines dazu übergegangen, anstelle von Rückerstattungen Gutscheine mit einer Vielzahl von komplizierten Regeln und limitierten Laufzeiten zu versprechen, was rechtlich so nicht haltbar ist.

Liebe Airline, wenn Du den Passagieren anstelle von Bargeld einen Gutschein schmackhaft machen willst, dann sollte dies ein mindestens 5 Jahre gültiger Bar-Gutschein sein, der an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Und wenn Du Deine Passagiere (deren Geld du schon monatelang hortest) animieren willst, anstatt Bargeld, einen Guschein zu akzeptieren, dann solltest Du noch etwas drauflegen, wie eine Gratis-Sitzplatzsreservation, Gutscheine für Gepäck, oder mehr Warenwert.

Kundengeld-Absicherung
In der Luftfahrt gilt die Logik der Vorauszahlung, dh. wenn ich jetzt einen Flug für Oktober buche, so kassiert die Airline das Geld sofort, liefert ihre Leistung aber erst mehrere Monate später. Geht eine Airline in Insolvenz, so ist dieses Geld für den Kunden meist verloren, wie dies bei Air Berlin, Germania, Sky Work, Flybe und ganz vielen Airlines die letzten Jahre der Fall war. Für Reiseveranstalter gibt es europaweit seit mehr als 20 Jahren die Pflicht der Kundengeldabsicherung: Wer eine Pauschalreise bucht, kriegt sein Geld also auch im Fall einer Insolvenz des Reiseveranstalters zurück und wird aus dem Ausland repatriiert, sollte er im Zielland stranden.

Seit 10+ Jahren versuchen die Reisebüro-Verbände eine ähnliche Pflicht zur Kundengeldabsicherung auch bei den Airlines einzuführen, sind aber mit mehreren Vorstössen immer wieder gescheitert. Der Grundtenor der Airlines blieb dabei immer derselbe: Man sei solide finanziert, eine solche Absicherung sei unnötig und verteuere die Ticketpreise.

Wie solvent die Airlines wirklich sind, sieht man jetzt, wo sie sich weigern, einbezahlte Kundengelder sofort zu erstatten. Ganz offensichtlich lebt man ja doch von Kundenkrediten!!?

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Eine Kundengeldabsicherung für Flugtickets muss jetzt sofort eingeführt werden!

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Einseitigkeit von Passagier/Airline-Verträgen
Wer kennt es nicht: wenn man als Passagier ein Flugticket annullieren oder ändern will, ist das im Normalfall praktisch unmöglich. Gekauft (und bezahlt!) ist gekauft und wer etwas anderes möchte, muss ein neues Ticket kaufen- so die Grundhaltung der Airline. Ganz anders sieht die Situation aber aus, wenn die Airline Flüge streicht, Flugzeiten ändert oder Routen sogar ganz streicht. Ändert die Airline ihr Teil des Vetrags, gelten plötzlich ganz andere Regeln und oft wird einem sogar der Vertragsrücktritt verweigert oder die Rückerstattung erst nach langwierigen und mühsamen Prozessen gewährt. Kommt dazu, dass viele Airlines nur in ihrem Herkunftsland einklagbar sind, was die Sache für einen Konsumenten deutlich schwieriger macht, an das bereits bezahlte Geld zu kommen.

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Airline/Passagier-Verträge müssen fairer werden. Es kann nicht sein, dass man Euch Anwälte oder das Gericht auf den Hals hetzen muss, um die Einhaltung Eurer schon sehr asymetrischen Verträge einzufordern.
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Behandlung Reisebüro-Vertriebspartner
Weltweit greift ihr Airlines auf Zehntausende von IATA-Travelagents zurück, die Eure Flugtickets verkaufen und ganz nebenbei auch noch kostenlos die Beratung für komplexere Buchungen übernehmen. Leider aber, sind auch die für die Zusammenarbeit mit den Reisebüros zugrunde liegenden IATA-Regulations und das Abrechnungssystem via BSP, an Einseitigkeit nicht zu überbieten. So können Airlines jederzeit kleinste Verstösse gegen die IATA-Rules mit Bussen (ADM) belegen und direkt auf dem Konto der Reisebüros belasten. Oder eine Rückerstattungs-Funktion wird jetzt im Krisenfall einseitig suspendiert – das Reisebüro ist den Airlines weitestgehend ausgeliefert.

Gleichzeitig werden Kostenoptimierungs-Massnahmen der Airline, wie Umbuchungen, Routen-Streichungen oder Flugplanänderungen laufend auf dem Rücken der Vertriebspartner ausgetragen. Die Airline hat die Kosteneinsparung, das Reisebüro die unbezahlte Arbeit.

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IATA-Rules und BSP sollen in Zukunft durch ein gemeinsames Gremium Airline/Vertrieb gelenkt werden. Einseitige Systemänderungen sollen unmöglich gemacht werden. Vertriebspartner sollen zukünftig für Umbuchungsaufwände entschädigt werden.
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Abschliessend möchte ich noch einmal betonen, dass die Luftfahrt sehr wichtig ist und in dieser Krise gerettet werden muss. Gleichzeitig ist jetzt aber auch der Moment gekommen, wo sich Airlines gegenüber Passagieren und Vertriebspartnern fair verhalten und ihre bisherige Arroganz gründlich überdenken sollten. Wenn die öffentliche Hand jetzt hilft, muss sie gewisse Dinge aus dem obigen Katalog auch politisch einfordern.

Corona-Krise: Der Bundesrat diskriminiert KMU-Unternehmer!

Als der Bundesrat letzten Freitag das Wirtschaftspaket zur Bewältigung der Corona-Krise kommunizierte, war ich sehr positiv überrascht. Der Anspruch auf Kurzarbeit wurde erweitert, es wurden unkomplizierte Liquiditäts-Kredite bis zu 10% des Umsatzes versprochen und auch selbständig Erwerbende werden über die EO vergütet.
Ganz nach dem Motto “Brot & Spiele” wurden auch zwei Sondertöpfe für Künstler (CHF 280Mio) und Sportvereine (CHF 100Mio) geschaffen. Mehr oder weniger können somit viele Schweizer mit mindestens 80% vom letzten Lohn rechnen, super! (Details hier)

So weit so gut, könnte man meinen. Wenn man jedoch die neuen Regeln etwas genauer anschaut, wird klar, dass eine Kategorie von Corona-Geschädigten sehr stiefmütterlich behandelt, ja gar diskriminiert wird: die KMU-Unternehmer

Dabei geht es um folgende Konstellation:
Hat ein KMU-Unternehmer zwecks Haftungsrisiken eine Kapitalgesellschaft (AG oder GmbH) gegründet, bei der er sich und seine Mitarbeiter angestellt hat, zahlt auch der Inhaber (Aktionär) ganz normal seine Sozialabgaben auf dem Bruttolohn, inkl. AHV und ALV – dies oft über mehrere Jahrzehnte. Gerät ein Unternehmen jedoch in Schieflage, und muss entweder Kurzarbeit anmelden oder der Unternehmer wird sogar arbeitslos, hat der “Mitarbeiter in arbeitgeberähnlicher Stellung” keinerlei Anspruch auf Leistungen. Dies ist ein schon langer bestehender Misstand, den ich schon vor 3 Jahren aus der Optik Startup im Detail ausgeführt habe.

Jetzt in der Corona-Krise hat der Bundesrat offenbar die Not der KMU’s erkannt und die Kurzarbeits-Entschädigung per Notrecht und temporär befristet auch für diese “Mitarbeiter in arbeitgeberähnlicher Stellung” geöffnet. Allerdings begrenzt er den maximal anspruchsberechtigten Lohn auf CHF 3320.–/Monat, dh. im Endeffekt 80% davon, das ergibt einen Mini-Betrag von CHF 2656.–/Monat… und dies auch nur, sofern der Unternehmer wirklich zu 100% auf Kurzarbeit ist, also absolut gar nicht arbeitet, was nicht nur unrealistisch ist, sondern auch schwer zu beweisen. Details im Bericht der Handelszeitung.

In meinem Umfeld betrifft das ganz viele Klein- und Kleinstunternehmer, die von dieser Regelung stark betroffen sind. Dazu gehören:

– Reisebüros
– Werbeagenturen
– Malerbetriebe
– Schreiner
– Startups
– Gastro-Unternehmer
– Hunde-Spazierdienste
– Grafiker
– Consultants mit AG
– uvm!

Viele dieser Kleinunternehmer haben die letzten Jahrzehnte in die Arbeitslosen-Versicherung einbezahlt und erhalten jetzt einen Mini-Betrag von CHF 2656.–. Gleichzeitig müssen sie jetzt ihren Betrieb neu ausrichten und durch die Krise bringen. Die meisten KMU-Unternehmer die ich kenne, werden auch alles tun, um keine Leute entlassen zu müssen.

Dies betrifft rund 150’000 KMU-Kapitalgesellschaften in der Schweiz und deren Chefs, wovon wohl ein beträchtlicher Teil von der Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht sein dürfte.

Ich fordere deshalb vom Bundesrat, dass er dieses Lohn-Maximum von CHF 3320.- (ausbezahlt CHF 2656.–) für die Kurzarbeit per sofort aufhebt und die “Mitarbeiter in arbeitgeberähnlicher Stellung” in der Corona-Krise genau gleich behandelt, wie alle anderen Lohnempfänger/Beitragszahler.

Wie die Reaktionen auf meinen letzten Beitrag zu diesem Thema zeigten, wird es wohl ein paar Gegenargumente zu meine Forderung geben. Ich gehe daher schon präventiv auf diese ein… 😉

“Das ist halt das Unternehmer-Risiko”
Ja, das Unternehmer-Risiko gibt es und das ist auch richtig so. Allerdings zahlen diese Unternehmer auch jahrelang über ihre Lohnbeiträge in die ALV ein und kriegen im Regelfall genau gar nichts. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit, die korrigiert werden muss. Jetzt im Krisenfall gibts maximal CHF 2656.–, was schlicht diskriminierend ist.

“Unternehmer haben viel höhere Löhne und verdienen keine Unterstützung”
Die KMU-Unternehmer, die ich kenne, zahlen sich in der Regel sehr moderate Löhne aus, insbesondere im Bereich Gastro/Tourismus und Handwerk. Ist der Lohn etwas höher, so zahlt man auch auf dem den vollen ALV-Beitrag – die Vergütung ist gegen oben dann sowieso auf CHF 148’200.– (davon 80%) plafoniert.

“Das Missbrauchspotential ist sehr gross”
Vorallem von Behördenseite höre ich dieses Argument sehr oft. Dahinter steckt die Angst, dass sich Unternehmer ihre auftragsbedingten Schwankungen über die ALV (Arbeitslosengeld/Kurzarbeit) kompensieren lassen. Ich bin überzeugt, dass es da sehr wirksame Instrumente dagegeben gibt, wenn man denn nun will. Und jetzt in der Corona-Krise sollte man nicht darüber diskutieren müssen, ob ein Gastro-Unternehmer, der sein Restaurant behördlich schliessen musste, wohl den Staat betrügen will.

“Für das sind die Liquiditätskredite des Bundes da”
Als ich gestern beim SECO anrief um zu bestätigen, dass wirklich nur ein so kleiner Betrag für KMU-Unternehmer vorgesehen ist, habe ich genau diese Antwort erhalten! Die Bundeskredite sind eine tolle Idee und helfen ganz sicher, um die Liquidität sicherzustellen. Aber machen wir uns nichts vor – gerade Kleinstunternehmer werden Mühe haben, diese Kredite zu amortisieren und deren Bilanzen über Jahre belasten. Und nochmals: Das Geld wurde durch die KMU-Unternehmer in die ALV einbezahlt, dann sollte man im Krisenfall auch erwarten, dass einem diese Kasse hilft -und zwar à fonds perdu, resp. “fonds remboursé”!

Arbeitslosen-Versicherung und Startups – ein Skandal!

Das Schweizer Startup-Ökosystem ist in den letzten Jahren stark gewachsen – viele junge Leute sind bereit ihre Vision im Rahmen einer eigenen Firma zur Realität werden zu lassen und stürzen sich in das Abenteuer Startup. In den meisten Fällen geschieht dies mittels der Gründung einer Kapitalgesellschaft (AG oder GmbH) in welcher die Firmengründer massgeblich beteiligt sind und oftmals wird das Startup mit Hilfe von externen Investoren auf Wachstum getrimmt. Es werden die in der Schweiz so dringend benötigten Arbeitsplätze der Zukunft geschaffen und damit Personen- und Firmensteuern generiert. So weit so gut – und alle in Wirtschaft und Politik sind sich einig, dass Firmengründungen gefördert werden sollten, denn das ist die Zukunft.

Was geschieht nun aber, wenn eine Firmenidee scheitert und das Unternehmen ins Trudeln gerät? In der Regel versuchen dann die Firmengründer die Firma mittels Kostenreduktionen über Wasser zu halten – meistens wird auch beim eigenen Lohn gespart, oder schlicht und einfach über Monate kein Lohn ausbezahlt, um mit dem nächsten Pivot oder der nächsten Partnerschaft den Durchbruch zu schaffen.

Irgendwann geht es nicht mehr weiter, einem oder mehreren Gründern muss gekündigt werden und ist jetzt offiziell arbeitslos. Auf dem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV), kommt dann aber oft der Schock:
Gründer haben in so einem Fall keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, dies obschon sie während zT. über Jahre brav 2,2% ihres Bruttolohnes in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt haben.

Begründet wird das von der ALV mit der “arbeitgeberähnlichen Stellung” des Antragsstellers. Ist also ein Gründer in seinem Unternehmen in der Geschäftsleitung, unterschriftsberechtigt, im Verwaltungsrat oder “massgeblich am Unternehmen beteiligt”, wird von der Arbeitlosenkasse keine Leistung ausbezahlt. Mehr dazu nachzulesen gibt es in der AVIG-Praxis (ab B17) oder auf der Website der ALV. Die Verweigerung der Versicherungs-Leistung wird vom RAV mit der grossen Missbrauchsgefahr begründet – einzige Möglichkeit Versicherungsleistungen zu erhalten ist der Konkurs der Firma und/oder der Rücktritt von sämtlichen Ämtern bei einer AG/Gmbh – was aber in der Praxis oft tricky ist und/oder sehr lange dauert.

Viele Startup-Gründer/innen zahlen also jahrelang Prämien in die ALV ein, haben aber keinen Anspruch auf Leistungen, da sie über eine Kapitalgesellschaft angestellt sind. Wären sie im steuerlichen Sinn Selbständigerwerbende, hätten sie zwar auch keine Versicherungsleistung, müssten aber keine Prämien zahlen.

Viele Startup-Förderer und selbst der Bundesrat fordern “mehr Mut zum Risiko” bei Startup-Gründern und dass das Scheitern mit einem Startup nicht mehr mit einem Stigma belegt werden sollte. Gleichzeitig diskrimiert man aber gescheiterte Unternehmer und behandelt sie auf Vorrat wie notorische Betrüger – zockt sie aber dann doch gerne jahrelang als Beitragszahler ab.

Ich bin der Meinung, dass das nicht zusammenpasst und hier dringend eine Gesetzes-, resp. Praxisänderung herbeigeführt werden muss. Klar kann die ALV nicht schwankende Auftragslagen eines KMU überbrücken, aber dass man gescheiterte Gründer pauschal des Betrugs bezichtigt, aber dennoch Prämien zahlen lässt geht nicht. Mindestens sollte eine Einzelfall-Prüfung eingeführt, oder Minimal-Leistungen in Relation zu den bezahlten Prämien ausgerichtet werden. Alles andere ist nicht nur in höchstem Masse unfair, sondern prügelt gescheiterte Unternehmer unnötig.